Willi Baumeister / Rudolf Belling
Willi Baumeister und Rudolf Belling gehören seit den 1920er Jahren zur internationalen Avantgarde. Sie stellen in renommierten Galerien wie Der Sturm, Alfred Flechtheim oder Kunstsalon Gurlitt aus, über ihr Werk wird in Zeitschriften wie den Cahiers d’art, in Le Corbusiers L’Esprit Nouveau und in Het Overzicht berichtet.
Beide Künstler – Baumeister in der Malerei wie auch Belling in der Plastik – kehren sich von einer naturgetreuen Wiedergabe des Sujets ab und stellen die freie Behandlung der Form ins Zentrum ihres Werkes. So prägen sie früh den Weg in die Abstraktion und beeinflussen, nicht zuletzt durch ihre Lehrtätigkeit, die Kunst der Generation nach 1945 nachhaltig.
Unsere 35jährige Präsenz in Berlin feiern wir mit einer hochkarätigen Werkauswahl beider Künstler, die wir seit der Eröffnung des Kunsthandels Wolfgang Werner 1991 in der Fasanenstraße 72 immer wieder in wichtigen Einzel- oder Gruppenausstellungen vorgestellt haben.
Rudolf Belling (1886–1972) wird 1918 Mitbegründer der um Walter Gropius versammelten Novembergruppe, die eine Vereinigung der Künste Architektur, Malerei und Plastik anstrebt.
Ihr dezidiert synästhetischer Grundton fließt in Bellings plastisches Arbeiten ein. Sein erstes Hauptwerk, der »Dreiklang« (1919), steht für die Einheit der drei Künste. Erstmals wird hier sein Bemühen um ein Zusammenspiel von Raum und Form sichtbar. Den umliegenden Raum bezieht der Bildhauer als Negativform ganz bewusst in die plastische Gestaltung ein: »SKULPTUR ist Synthese von Plastik und Raum! Bei einer vollkommenen Skulptur treten der plastische Körper und der Raumkörper als gleiche Werte auf«, leitet Belling 1922 seinen Text Skulptur und Raum ein.
Unsere Auswahl der Arbeiten von Rudolf Belling aus den frühen 1920er Jahren zeigt drei ikonische Werke der Skulptur des 20. Jahrhunderts: Die Plastiken »Dreiklang« (1919), »Organische Formen« (1921) und »Skulptur 23« (1923) wurden schon 1924 in der großen Einzelausstellung des Künstlers in der Berliner Nationalgalerie präsentiert, in deren Folge es zum frühen Erwerb einer Holzfassung des »Dreiklanges« für das Museum kam.
Rudolf Belling gilt als Wegbereiter der modernen Plastik und ist 1931 in Alfred H. Barrs berühmter Ausstellung Modern German Painting and Sculpture im MOMA, New York, mit sechs Arbeiten vertreten. 1933 erhält er Berufsverbot durch die Nationalsozialisten, seine Werke werden aus öffentlichen Sammlungen entfernt, die Plastiken »Dreiklang« und »Kopf in Messing« werden 1937 in der Ausstellung Entartete Kunst verfemt. 1935 Lehrauftrag an der privaten Annot Art School in New York und letzte große Einzelausstellung der Vorkriegszeit mit 35 Exponaten im Rockefeller Center. 1937 emigriert er in die Türkei, er lehrt in Istanbul an der Akademie der Schönen Künste. Ab 1949 beginnt er wieder plastisch zu arbeiten und kehrt 1966 nach Deutschland zurück; er wohnt und arbeitet in Krailling bei München.
Arbeiten von Rudolf Belling sind weltweit in Museen vertreten, zuletzt widmete ihm die Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, Berlin, 2017 eine umfangreiche Retrospektive.
Auch Willi Baumeister (1889–1955) ist früh in modernistischen Kunstkreisen verankert. Der rege Austausch mit Frankreich und Künstlerfreunden wie Fernand Léger, Le Corbusier, Amédée Ozenfant und seine Zugehörigkeit zu den Künstlervereinigungen Cercle et Carré und Abstraction-Création, sind für ihn wichtig; spätestens zu Beginn der 1920er Jahre aber wirkte er in einem internationalen Netzwerk wie seine Mitarbeit an El Lissitzkys »Kunst-Ismen« und die Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Russland, Amerika, Schweiz und Italien zeigen.
Baumeister zeigen wir mit einer Werkgruppe der 1940er Jahre, die als »Afrikanische Bilder« bezeichnet wird und die bestimmt ist von dunklen Formen auf reliefartigem, weißen Grund.
Der Künstler löste sich in den 1930 Jahren von der konstruktiven Bildkonzeption der 1920er Jahre und entwickelte amorphe, bis zum einfachen Bildzeichen verdichtete Formgebilde.
Sein Repertoire wird angeregt durch die intensive Beschäftigung mit antiken Urtexten, Mythen und prähistorischen Felsmalereien aus Spanien sowie durch die über Leo Frobenius' Afrika-Expeditionen vermittelten Nachzeichnungen afrikanischer Felsmalereien: »Der Maler muss die kürzeste, die einfachste Ausdrucksform für die Wesenheiten des Menschen finden. (…) Die Figuren erhalten die Bedeutung von Symbolen. Sie sind zu Zeichen geworden.«
Als maltechnische Neuerung führte Baumeister die Verwendung von Spachtelkitt, Kreide und Gips ein – wie in dem großen Gemälde »Afrikanische Geister« (1949), das eine archaische Formgebung und eine reliefhafte Oberfläche bestimmt und das zu Baumeisters umfangreichem Konvolut der legendären Documenta I zählte.
1928 Professur an der Kunstgewerbeschule (heute Städelschule), Frankfurt. 1933 Entlassung aus dem Staatsdienst, Baumeister kehrt nach Stuttgart zurück. 1937 werden seine Werke aus deutschen Museen entfernt, vier Bilder sind Teil der Ausstellung Entartete Kunst; 1938 Teilnahme an der Gegenausstellung Twentieth Century German Art in London. Die politische Repression macht das Malen für ihn nahezu unmöglich, er arbeitet an seinem wegweisenden Buch Das Unbekannte in der Kunst. 1946 Professur an der Stuttgarter Akademie. Baumeister wird zu einem wichtigen Bindeglied der Avantgarde der 1920er Jahre und dem Neubeginn nach 1945 mit einer freien Kunstentfaltung. 1948 feiert ihn die französische Presse als »le grand peintre allemand«, ja sogar als »le Picasso allemand«. 1948 und 1952 Teilnahmen an den Biennalen Venedig; 1955 mit 7 Werken auf der Documenta I in Kassel vertreten.
Ausstellung in Berlin: 29. April – 20. Juni 2026

Ausstellungseröffnung:
Freitag, 1. Mai, 18–21 Uhr
Sonnabend, 2. Mai, 11–18 Uhr
Sonntag, 3. Mai, 11–18 Uhr