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Die Klassiker von Berlin ... Ganz andere Wege zur Abstraktion beschritt in den vierziger und fünfziger Jahren Jean Dubuffet. »Unsere Kultur ist ein Kleid, das uns nicht passt – zumindest nicht mehr passt«, sagte er 1951, als er im Arts Club of Chicago (auf Englisch) einen Vortrag mit dem Titel »Anticultural Positions« hielt. Dagegen setzte er den vorurteilsfreiem Blick auf das Schaffen von Geisteskranken, Kindern und sogenannten Primitiven und warf mit seiner Art brut den althergebrachten Begriff von Schönheit über Bord. Bei Wolfgang Werner auf der Fasanenstraße sind acht bedeutende Werke von Dubuffet aus den Jahren 1949 bis 1958 ausgestellt. Sie stammen aus dem Nachlass von Pierre Matisse, der sich als Sohn des Malers schnell einen Namen als New Yorker Kunsthändler gemacht hatte. Dem amerikanischen Publikum stellte er neben Miró, Balthus und Giacometti auch Dubuffet vor und festigte dessen Ruhm jenseits des Atlantiks. Matisse repräsentierte Dubuffet zwischen 1946 und 1960, dann zerstritt man sich, ohne jemals wieder zueinanderzufinden. Die Bilder verblieben in der Privatsammlung von Pierre Matisse. Inspiriert von der Wüste Die Wüste inspirierte den Künstler dazu, den Farben Sand beizumischen, so auch bei seiner grotesken »Paysage noir avec joueur de fifre« und bei »L' Adieu à la fenêtre«, beide ebenfalls von 1949. Kürzelhaft hat Dubuffet jeweils Bäume, Straßen und Häuser markiert und nur einen minimalen Horizont an den oberen Rand gesetzt, als ob er so die Diesseitigkeit seiner drolligen Welt betonen wollte. Im Jahr 1952 schuf er mit seinen »Lieux momentanés« das Bild »Octobre«, auf dem Tropfen und Schlieren von Terpentin oder Leinöl suggestive Spuren im Pigment der ölfarbe hinterlassen haben, die manchmal mit Hilfe eines Pinsels zu Figuren weitergeführt wurden. Doch stehen die Figuren nicht mehr im Vordergrund, sondern fügen sich in die Materie des Bildgrunds ein wie Käfer im Herbstlaub. In den »Texturologies« der späteren fünfziger Jahre findet man bei Dubuffet schließlich gar keinen Horizont mehr (365.000 Euro). Man vermutet in diesen Arbeiten den Einfluss Pollocks, den Dubuffet im Haus des Künstlers und Sammlers Alfonso Ossorio in East Hampton kennengelernt hatte. Wie bei Pollocks »Drip Paintings« legte auch Dubuffet seine Leinwände auf den Boden und beträufelte sie mit ölfarbe. Die feinen Tropfen verdichten sich zu einem hypnotischen Geflimmer, das den Betrachter schnurstracks in den Nachthimmel über der Sahara entführt. |